Der Sandmann
 
 

Der Sandmann

von E.T.A. Hoffmann

Inszenierung: Mona Creutzer


 
Premiere: So. 02. September 2007
 
Beginn: 20.00 Uhr
 
Eintritt: 14€ (ermäßigt: 10€)



Eine ‚Gute-Nacht-Geschichte' für Erwachsene, die sich gerne dem romantischen Schauer angesichts der Abgründigkeit von Seele und Welt hingeben.
 
Seltsamer und wunderlicher kann nichts erfunden werden als dasjenige, was sich dem jungen Studenten Nathanael zugetragen, und was das Theater K in einem schauerlichen Nacht-Stück dem werten Publikum zu erzählen unternimmt.
 
Ein harmlos scheinender Blick durchs ‚Perspektiv' ins nachbarliche Fenster. Das Fernrohr jenes setsamen Wetterglashändlers Coppelius ist der Sand, der dem armen Nathanael in die Augen gestreut wird und ihm statt der Wirklichkeit ein Traumbild gibt, welches er für Wirklichkeit nimmt. Imagination und Realität, Liebe und Kunst, Kunst und bürgerliches Leben greifen gefährlich und unausweichlich ineinander.
 
Gibt es geheimnisvolle Kräfte, die mit bedrohlichen Angriffen auf uns einwirken … was ist es, das Nathanael von Clara, seiner Verlobten, wegzieht zu jener schweigsamen Olimpia? "Olimpia, oh du herrliche, himmlische Frau! … du tiefes Gemüt, in dem sich mein ganzes Sein spiegelt!" Die Liebesglut, welche aus dem todstarren Auge der Olimpia in Nathanaels Seele dringt, hat etwas Fürchterliches und Unheimliches.
 
Nathanaels Welt gerät aus den Fugen. "Feuerkreis dreh' dich, Feuer kreis dreh' dich!"
 
Begeben Sie sich mit dem Sandmann in den Taumel zwischen Phantasie und Wirklichkeit, zwischen dem Unheimlichen, das man erlebt, und dem Unheimlichen, das man sich bloß vorstellt.
 
"… aber nicht mehr viele wissen, daß er zur Weltliteratur gehört, ein Dichter allerobersten Ranges, der außerdem noch ein vorzüglicher Komponist und ein recht begabter Graphiker war: jener Ernst Theodor Amadeus Hoffmann."
Franz Führmann
 
Inszenierung: Mona Creutzer

Es spielen: Christian Cadenbach, Barbara Portsteffen, Stephan Wurfbaum
 



Claras holde Augen
ich habe ja meine eigene Augen... das waren ja glühende Tropfen deines eigenen Herzblutes

Im Phantastischen aber offenbart sich das Übernatürliche wie ein Riß im universellen Zusammenhang. Die Sicherheit einer Welt zerbricht, in der man bis dahin die Gesetze für allgültig und unverrückbar gehalten hat. Es ist das Unmögliche, das unerwartet in einer Welt auftaucht, aus der das Unmögliche per definitionem verbannt worden ist.
Roger Caillois
 

Olimpias Augen seltsam starr und tot
Liebesblickblutig aus dem Kopf
herausspringende Augen

Auf der Suche nach einer neuen Sprache für die psychische Entwicklung bot sich den Romantikern der Bereich an, der von der Aufklärung und vom Bürgertum als nutzlos oder störend für eine unter dem Produktionszwang stehende Gesellschaft erachtet wurde: der Bereich des Abnormen, Künstlerischen, Erotischen, Fremden, Kindlichen, Wunderbaren, Übernatürlichen und Märchenhaften. Aus ihrer intuitiven Selbsterkenntnis und Selbstbeobachtung formten sie Chiffren des seelischen Erlebens, eine Sprache, die wie die Traumsprache dem gradlinigen, ordnenden Denken der bürgerlichen Sprache entgegensteht, sie gewissermaßen auflöst.
 
Der Sandmann a) als Berufsbezeichnung eines Sand verkaufenden Hausierers, b) Geschworener im Gerichtsverfahren und c) als gaunersprachliche Chiffre für Rausch zu belegen.
 
Auge als Metapher: Coppolas ‚Oken’ für Brillen; Augen als die Höhlen, in der der Alchemistenherd steht; die Bedeutungsnuance ‚Schmelztiegel’ im Namen Coppelius.
 

Sköne Oke - sköne Oke

Der Titel ‚Nachtstücke’ bezieht sich sowohl auf die Chiaroscuro-Nachtszenen der Malerei als auf die Nachtseiten und Abgründe der menschlichen Psyche – im Vordergrund stehen das Unheimliche, Grauen, Wahn, Traumata, Hypnose, Schauer, Zauber, Wunder, Verbrechen und Rache, die in menschliche Verhältnisse und Familienbindungen eindringen und sie zerstören. Das Dunkel der ‚Nachtstücke’ charakterisiert jedoch nicht nur das nächtliche Ambiente, die dunkle Seite des Menschen und das Schauerliche. Das romantische Nachtstück als Gegenpol zum optimistischen Tagstück aufklärerischer Vernunfthelle verzichtet nicht nur auf die rationale Erklärung, sondern erhebt diesen Verzicht und die Verdunkelung
aller Grenzziehungen zum Prinzip.
G.v. Wilpert
 

...die im Wahnsinn rollenden
Augen Nathanaels

Das deutsche Wort ‚unheimlich’ ist offenbar der Gegensatz zu heimlich, heimisch, vertraut, und der Schluß liegt nahe, es sei eben darum schreckhaft, weil es nicht bekannt und vertraut ist. Natürlich ist aber nicht alles schreckhaft, was neu und nicht vertraut ist; die Beziehung ist nicht umkehrbar. Man kann nur sagen, was neuartig, wird leicht schreckhaft und unheimlich: einiges Neuartige ist schreckhaft, durchaus nicht alles. Zum Neuen und Nichtvertrauten muß erst etwas hinzukommen, was es zum Unheimlichen macht …
Freud
 
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, geboren am 24. Januar 1776 in Königsberg.
Hoffmann war ein jeder Hinsicht ein ‚Doppelt-Gänger’: Jurist und Künstler; Musiker und Zeichner, Schriftsteller und Säufer: „Es ist dies ein Mann, der zwar als ‚Gespenster-’ ‚Grusel-Hoffmann’ einen sensationellen Nachruhm erlangt hat, von dem aber nicht mehr viele wissen, daß er zur Weltliteratur gehört, ein Dichter allerobersten Ranges…“
(Franz Führmann)
 
E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ erschien 1816 im 1. Teil seiner Nachtstücke, zu denen auch „Das öde Haus“, „Das Majorat“ u.a. gehören. Das Spannungsvolle, Traumatische der Liebe Nathanaels zur Puppe Olimpia, das Ungeheure und Zwielichtige der Gestalt des Advokaten Coppelius/Coppola macht die romantische Erzählung zu einem Exempel
moderner Bewußtseinserfahrung.
Sein Werk ist verwurzelt in der Literatur der deutschen Romantik und weist zugleich wie kaum ein anderes dieser Zeit voraus auf die von der Psychoanalyse geprägte Moderne.
Er starb am 25.6.1822 in Berlin.
 




Produktionsdaten

Der Sandmann

von E.T.A Hoffmann
 
Nathanael: Christian Cadenbach
 
Clara/Olimpia: Barbara Portsteffen
 
Erzähler u.v.a.: Stephan Wurfbaum
 
Inszenierung: Mona Creutzer
 
 
Kostüme: Gabi Jacobi, Viorica Hodel
 
Bauten/Realisation: Marcell Hübsch, Oliver Stephan, Günther Altenbernd,
Ela Herff, Tanja Backes
 
Licht: Jochen Deuticke
 
Technik: Guido Goetzenich
 
Plakat/Programm:
 
Ludwig Moll
Öffentlichkeitsarbeit: Rolf Blume
 
Praktikanten: Vanessa Schürmann, Sascha Stollenwerk
 
Ein besonderer Dank gilt: Ulla Marks – Gesangscoach, der Sängerin Catharina Marquet und der Pianistin Renée Derks sowie Horst Schippers für die Tonaufnahme
 
Und nicht weniger Dank an: Dieter Bartel - Prospekt TV, der MU’FAB, Schumacher Verlag, ARTEC (Bühnentechnik), Pete Bereza (webmaster),
Prof. Hans Kahlen
 
Künstlerische Leitung
vom Theater K
Mona Creutzer
Jochen Deuticke
Annette Schmidt
 



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