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Bild: Theater K
 

Mario Vargas Llosa
zum 65. Geburtstag

Frauenbataillon

Großer lateinamerikanischer
Abend mit zwölf Schauspielern,
Essen und Trinken
& einem ganzen Roman

Inszenierung: Thomas Sauerteig
Premiere: 30.3.2001 im Theater K

 



Als die Zahl der Vergewaltigungen im Umkreis der peruanischen Truppenstationierungen im Dschungel sich unübersehbar häuft, kann die Regierung am Notstand der Soldaten nicht länger vorbeisehen. Ausgerechnet Hauptmann Pantaleón, der Mann mit der weißesten Weste in der ganzen Armee, wird abgestellt, um das Problem zu lösen.
 
Und Pantaleón löst es mit der ganzen Kraft seiner Ordnungsliebe und bürokratischen Genauigkeit. Nicht nur, daß er exakte Erhebungen macht über die Zahl der bedürftigen Soldaten und ihre durchschnittliche sexuelle Bedürfnisfrequenz abhängig von Dienstgrad und Jahreszeit. Er macht auch vor sich selbst nicht halt. Um das Begehren und seine Auswüchse endlich in den Griff zu kriegen, übt er den ehelichen Geschlechtsverkehr mit der Stoppuhr. Anzahl der Soldaten, Bedürfnisfrequenz und minimale GV-Dauer ergeben die Menge der anzuwerbenden ‚Betreuerinnen'.
 
Aber hier beginnt erst die Kaskade der peinlichsten und abstrusesten Verwicklungen des Hauptmanns. An der Dschungelfront der Triebe vermischen sich die Realitäten. Ein ‚franziskanischer' Wanderprediger mit seiner um sich greifenden Gefolgschaft übt mysteriöse Buß- und Kreuzigungspraktiken mit den Dschungeleinwohnern.
Der Aufbau des mobilen Bordells "TBDGGK"* läuft unterdes wie ‚geschmiert', bis ...
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*"Truppenbetreuungsdienst für Garnisonen, Grenzposten und andere Kommandos"



Klappentext zum Roman:

Der Hauptmann und sein Frauenbataillon:
Ein heikler Geheimauftrag reißt den untadeligen Hauptmann Pantaleon aus der militärischen Routine und seinem brav bürgerlichen Familienleben. Unter dem Einfluß des schwülheißen Dschungels versetzen die Soldaten der Kasernen im hinteren Amazonas-Gebiet die Bevölkerung mit ihren sexuellen Eskapaden in Panik und Schaden so dem Ruf der glorreichen peruanischen Armee. Also wird der untadelige Komißkopf Pantaleon mit der Planung und Durchführung einer Entlastungsoffensive betraut. Die Vehemenz des erotischen Tropenkollers soll sich auf soldatisch geordnete Weise entladen. Pantaleon soll deshalb einen ‚weiblichen Dienst' einrichten, eine maison public auf Reisen. Pflichtgefühl und Liebe zur Armee nötigen den uniformierten Mustergatten, sich zum gewissenhaften Experten auf dem Felde der Ausschweifungen zu entwickeln.
 
 

Auszug aus dem Roman:

Die erste topographische Schätzung ergibt folgende Zahlen: Der Truppenbetreuungsdienst wird ein Gebiet von ungefähr 400 000 Quadratkilometern abdecken, das acht Garnisonen, 26 Posten und 25 Lager als mögliche Versorgungspunkte umfaßt, zu denen Luftweg und Fluß als die elementaren Verkehrswege vom Kommandoposten und Nachschubdepot aus darstellen werden, obwohl in einigen Ausnahmefällen der Transport auf dem Landwege möglich ist (Umgebung von Iquitos, Yurimaguas, Contaman und Pucallpa).
 
Um die potentielle Benutzerzahl des Truppenbetreuungsdienstes in Erfahrung zu bringen, hat sich der Unterzeichner (mit Zustimmung des Kommandeurs des Wehrbereichs V) erlaubt, an alle Garnisonen, Grenzposten und sonstige Kommandos den folgenden Fragebogen zu schicken, damit er den Kompaniechefs oder gegebenenfalls den Truppenführern vorgelegt würde.
 
Der Unterzeichner möchte auf die Begeisterung und die Schnelligkeit hinweisen, mit der die Offiziere der Garnisonen, Posten und Lager besagten Fragebogen ausgefüllt haben. (Nur etwa fünfzehn Posten konnten wegen gewisser Kommunikationsschwierigkeiten infolge defekter Funkverbindungen, schlechten Wetters etc. nicht befragt werden.) Die Ergebnisse erlauben folgendes Schema aufzustellen:
 
Potentielle Zahl der Benutzer des Truppenbetreuungsdienstes:
8726 (in Worten: achttausendsiebenhundertsechsundzwanzig).
 
Zahl der monatlichen Dienstleistungen (geforderter Durchschnitt je Benutzer):
12 (in Worten: zwölf)
 
Zeit der individuellen Leistung (geforderter Durchschnitt):
30 Minuten (in Worten: dreißig).
 
Das bedeutet, daß der Truppenbetreuungsdienst, um seine Funktion voll zu erfüllen, in der Lage sein müßte, allen Garnisonen, Grenzposten und anderen Kommandos des Wehrbereichs V (Amazonien) einen Monatsdurchschnitt von 104712 (in Worten: einhundertviertausendsiebenhundertzwölf) Dienstleistungen sicherzustellen, eine Vorstellung, von der er bei den gegenwärtigen Umständen augenscheinlich weit entfernt ist. Der Unterzeichner ist sich der Notwendigkeit bewußt, den Dienst einzuleiten, indem er sich bescheidene und erreichbare Ziele setzt und den Realismus und die Philosophie akzeptiert, die verborgen sind in Refrains wie: "Wer langsam geht, kommt auch ans Ziel" und "Wenn du auch noch so früh aufstehst, wird es nicht schneller Tag".




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