Marko Pogacnik, Künstler aus Slowenien, entdeckte folgende Sage bei seinem Besuch in Zürich:

Karl und der Zauberring

Eine Legende sagt uns, warum Karl der Grosse seinen Wohnsitz in Aachen nahm: Es begann in Zürich, dort residierte Karl von Zeit zu Zeit als Richter. Eines Tages klopfte es an seine Tür. Er öffnete sie und wollte Einlass gewehren, doch der Flur war menschenleer. Verwundert schloss er die Tür und drehte ihr den Rücken zu, da klopfte es noch einmal. Doch stand auch diesmal keiner vor seiner Tür. Als es zum dritten Mal an seiner Tür klopfte, hörte er eine Stimme zu seinen Füssen. Es war eine Schlange, die sich bei Ihm beklagte, dass eine Kröte auf ihren Eiern sässe. Es seien ihre Eier und sie wolle sie zurück. Sie bat ihn darüber zu richten, wem die Eier zustünden. Das Urteil des Königs fiel zugunsten der Schlange aus, die ihm zum Dank einen Zauberring schenkte. Wer nun diesen Ring trug, den würde der König unwiderstehlich und für immer lieben. Karl schenkte ihn seiner Frau Fastrada und von diesem Tage an war ihre Liebe nicht mehr zu brechen. Als Fastrada starb, war die Trauer des Königs gross. Erst war es ein Tag, es folgte der zweite, der dritte und letztlich waren es drei Wochen, die Karl am Sarg seiner geliebten Fastrada trauerte. Er verweigerte sogar das Erdbegräbnis, weil er sich nicht von ihr trennen könnte. Das Volk und die Bischöfe am Hofe sorgten sich sehr um ihren König. Da hatte der Erzbischof Turpin, ein Getreuer der Tafelrunde Karls, einen Traum, der ihm Aufklärung verschaffte. Es war der Ring der Karl so fesselte. Darum beschloss Turpin den Ring zu stehlen. Eines Nachts zog er ihn Fastrada vom Finger und Karl konnte sich endlich von ihr trennen. Doch übertrug sich diese grenzenlose Liebe auf den Bischof, dem Karl nun unentwegt nachstellte. Dass sein König sich so zu ihm hingezogen fühlte, war Turpin sehr peinlich. Um diesem ein Ende zu bereiten, warf er während einer Jagd den Ring in hohem Bogen weit über die Hügel in einen Sumpf. An dieser Stelle steht heute Aachen. Denn Karl verliebte sich in diese Landschaft und liess dort seine Pfalz und den Dom errichten.

 

      
Marko Pogacnik, Slowenien: Steinstele, 1,80 m hoch, 1999
Kunstprojekt: "Aachen - eine Landschaft der Göttin" (1999)
Das Kosmogramm auf der Steinstele beinhaltet die Schlange und den Ring aus der Legende.
Fotos: Herman Weisweiler, Ira Wartenberg